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Bibiliothek des Bücher-Kosmos: Bella und Edward: Bis(s) zum Morgengrauen: BD 1
Titel:      Bella und Edward: Bis(s) zum Morgengrauen: BD 1
Autor:      Stephenie Meyer
ISBN-10(13):      3551356904
Verlag:      Carlsen
Erscheinungsdatum:      2008-02
Edition:      1., Aufl.
Sprache:      German
Preis:      EUR 9,95
Bewertung:      4.5 
Bild:      cover
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Beschreibung:      Kritik zu „Bis(s) zum Morgengrauen“ (Oder auch: die Pailetten-Vampire schlagen zurück!)

Ich habe mich vor kurzem endlich mal dem ersten Band der Reihe um Bella & Edward angenähert. Derzeit schwappt ja ein riesiger Hype um das Buch „Bis(s) zum Morgengrauen“ und die Verfilmung aus Amerika zu uns herüber. Ich war von Freundinnen, die schon in diesen literarischen Genuss kamen, sanft vorgewarnt worden, wolle mir aber mein eigenes Urteil bilden.

Die „Liebesgeschichte“ von Bella & Edward


Aber zunächst kurz zum Inhalt: Mädchen (Bella Swan – welch tiefschrüfendes Wortspiel) zieht in dunkle, regnerische Stadt zu ihrem Vater. Mädchen trifft Junge (Edward Cullen). Mädchen und Junge verlieben sich. Junge entpuppt sich als Vampir, Mädchen ist das total egal. - Hiermit sind schon dreiviertel des Plots zusammengefasst. Unterbrochen nur von seitenlangen Gefühlsbekundungen der beiden (Junge und Mädchen streiten sich darum wer wen nun mehr liebt (gähn).), der Beschreibung seiner unendlichen Schönheit, der Beschreibung seiner Perfektion, der glorreichen Tatsache, dass Vampire im Sonnenlicht nicht zu Staub zerfallen, sondern hübsch glitzern wie Prinzessin Lillyfees Pailetten-Elfenstaub (dezenter Lachkrampf) und einem (!) Kuss. Leicht gelangweilt (bis auf die unglaublich lächerliche Glitter-Szene) und mit schläfrigen Augen liest man weiter – immer in der Hoffnung, dass doch irgendwo endlich mal der (tiefere?) Sinn dieses Romans auftauchen muss. Gegen Ende wird man dann tatsächlich mit ein paar spannenden Szenen und etwas mitreißender Handlung belohnt. Auch wenn der Schluss dann wiederum etwas hölzern wirkt.

Stephenie Meyers mysteriöser Schreibstil


Wie schon öfters zuvor (zum Beispiel bei der Eragon-Saga) fragte ich mich allerdings, was alle Welt so toll und besonders an diesem Buch findet, bzw. wie sich ein solches Buch – ohne großen Esprit und mit launischem Aufguss alter Konzepte – wochenlang in Bestsellerlisten halten kann. Vielleicht leiden die Bücher ja auch an der Übersetzung aus der Originalsprache – ich weiß es nicht. Die Handlung zieht sich jedenfalls und die Schicksalsschläge der Heldin erinnern stark an die Heftchen der Mystery-Romane. Diese (von mir zur Teenagerzeiten heiß geliebten und teilweise gar nicht soooo schlechten) kleinen Grusel-Geschichtchen, herausgegeben von dem großen Schnulzen-Verlag „Cora“, sind angefüllt mit Vampiren, Werwölfen, dunklen Geheimnissen und jungen, unschuldigen, aber natürlich gaaaaanz besonderen Mädchen, die ihren mysteriösen Traumprinzen finden (oder von Dämonen gefressen werden). Allerdings waren die Mystery-Romane ungleich spannender – ihre Geschichte fand auf kurzen 100 Seiten statt und wurde nicht in epischer Breite ausgerollt.


Bella Swan – schöner Schwan, oder nervige Zicke?

Ein weiteres Manko dieses Bestesellers ist meiner Meinung nach die absolut unsympathische Hauptfigur. Jeder hat halt gerne jemanden mit dem er oder sie sich beim Lesen ansatzweise identifizieren oder dessen Haltungen man zumindest in irgend einer Form logisch oder gefühlsmäßig nachvollziehen kann. Bella hingegen bringt ihre Zeit entweder damit zu rumzunörgeln, alles doof zu finden, Regen und Schnee zu verachten, ständig mimosengleich in Ohnmacht zu fallen, benebelt von Edward getragen zu werden oder die Schönheit ihres perfekten Angebeteten zu rühmen. Auch die extrem konstruierte Macke, die die Autorin ihr angedeihen lässt, indem sie sie zu einem hach so beschützenswerten kleinen Tollpatsch mutieren lässt, der dauernd vor sich selbst gerettet werden muss, trägt höchstens dazu bei, dass man als Leserin entnervt die Augenbraue hebt und sehnsuchtsvoll an die Frauenbewegung denkt.

Mein Fazit:
Ein dezent langweiliges, aber nett-nichtssagendes Buch. Gut geeignet für zwischendurch und ein paar erholsame Stunden mit vollkommen abgeschaltetem Gehirn. Flüssig und leicht zu lesen geschrieben, an manchen Stellen sogar ganz witzig. Allerdings wirklich eher etwas für verliebte, rosabebrillte, hormonberauschte Teenies (und das sage ich, obwohl ich höchstgerne fantasievolle Märchen- und Jugendbücher verschlinge und garantiert nicht auf hochgeistiger Literatur bestehe). Da der Erzählstil in etwa den Tagebucheintragungen eines frustrierten egomanen und oberflächlichen Teens entspricht, der zu allem Überfluss noch gutes Aussehen mit Romantik verwechselt, ist es vielleicht höchstens das perfekte Geschenk für diejenigen die lesewütige 13jährige Nichten oder Töchter (ohne allzuhohe literarische Ansprüche) vorzuweisen haben. Man braucht auch keine Angst vor all zu sexuellen Schlüsselszenen haben: es passiert gaaar nichts. Die Vermutung liegt nahe, dass dies eventuell auf die religiösen Werte der Mormonin Stephenie Meyer zurückzuführen ist.
Für alle Anne Rice Fans, eifrige Leser von Gothic-Novels oder Liebhaber von Vampir-, Schauerromantik- oder sonstigen Romanen der Fantastik gilt Folgendes: Hände weg! Ich zumindest war sehr glücklich, dass ich für Stephenie Meyers „Bis(s) zum Morgengrauen“ kein Geld ausgegeben, sondern es nur (von einer gelangweilten Freundin) geliehen hatte.

Shermin Arif